Geburtsmonat und Auswahl: der relative Alterseffekt
Warum in Junioren-Bundesligen und Auswahlteams mehr Kinder aus den ersten Monaten des Jahres spielen, was eine deutsche Studie von 2024 dazu gezählt hat, welche Rolle die körperliche Reife spielt und was dagegen versucht wurde. Der Text beschreibt Verteilungen über große Gruppen; er sagt nichts darüber, wie gut euer Kind ist, und ersetzt keine Einschätzung der Menschen, die es spielen sehen.
Inhalt
Ist euer Kind im Herbst oder Winter geboren, und fragt ihr euch, ob das bei einer Sichtung eine Rolle spielt? Die Frage ist berechtigt. Studien zum deutschen Nachwuchsfußball beschreiben ein Muster: In Auswahlteams und in den höchsten Juniorenligen spielen deutlich mehr Jugendliche aus den ersten Monaten des Jahres, als die Geburtenstatistik erwarten ließe. Die Fachleute nennen das den relativen Alterseffekt.
Dieser Text erklärt, wie der Effekt entsteht, was eine deutsche Studie von 2024 dazu gezählt hat, welche Rolle die körperliche Reife spielt und was dagegen versucht wurde. Ob sich Talent überhaupt früh erkennen lässt, steht im Ratgeber Hat unser Kind Talent für Fußball? Was sich früh sagen lässt. Alle Zahlen hier beschreiben große Gruppen, nicht euer Kind.
Stichtag 1. Januar: woher der Altersunterschied kommt
Florian Heilmann, Alexander Kuhlig und Oliver Stoll halten in ihrer Studie von 2024 fest: „The cut-off date for the German youth soccer leagues is the 1st of January.“ (auf Deutsch: „Der Stichtag für die deutschen Nachwuchsligen ist der 1. Januar.“) Andreas Votteler beschreibt in seiner Tübinger Dissertation von 2017 deshalb Altersunterschiede in einem Jahrgang „von bis zu 364 Tagen (Geburtstag 1. Januar gegenüber Geburtstag 31. Dezember)“.
Wie daraus eine Verzerrung wird, fasst Votteler so zusammen: „Ein RAE entsteht, wenn relativ Ältere aufgrund ihres chronologischen Altersvorteils häufiger als talentiert eingeschätzt und folglich bei Talentselektionsmaßnahmen bevorzugt für eine intensivere Förderung auf höhere Selektionsniveaus (lokale, regionale und nationale Auswahlkader) ausgewählt werden.“ RAE steht für den englischen Begriff „relative age effect“. Neu ist das nicht: Votteler betont die „seit Jahrzehnten unveränderte Verbreitung des RAE in der Praxis“.
Gemessen wird in Geburtsquartalen: Januar bis März ist das erste, Oktober bis Dezember das vierte Quartal. Die ersten beiden Quartale bilden die erste Jahreshälfte.
Was eine deutsche Studie von 2024 gezählt hat
Heilmann, Kuhlig und Stoll (Universität Halle-Wittenberg) werteten die A- und B-Junioren-Bundesliga und die 3. Liga aus: „Data from the 2022–2023 season (120 teams, 3,174 players) were analyzed using chi-square tests.“ (auf Deutsch: „Daten aus der Saison 2022–2023 (120 Teams, 3.174 Spieler) wurden mit Chi-Quadrat-Tests ausgewertet.“) Die Geburtsdaten stammen aus der Datenbank transfermarkt.de, verglichen wurde mit der deutschen Geburtenstatistik von 2010. Untersucht wurden nur männliche Spieler.
Für die U17 lautet das Ergebnis: „Around 71% of all U17 Bundesliga players were born in the first half of the year (BQ1 and BQ2).“ (auf Deutsch: „Rund 71 % aller Spieler der U17-Bundesliga wurden in der ersten Jahreshälfte geboren.“) In der U19 waren es 69,56 Prozent. Laut Tabelle 2 der Studie kamen in der U17 43,95 Prozent der Spieler aus dem ersten Quartal und 9,37 Prozent aus dem vierten. In der Geburtenstatistik von 2010 lagen diese Anteile bei 23,76 und 24,84 Prozent.
| Kategorie | Wert |
|---|---|
| U17-Bundesliga: Januar bis März | 43,95 % |
| Geburtenstatistik 2010: Januar bis März | 23,76 % |
| U17-Bundesliga: Oktober bis Dezember | 9,37 % |
| Geburtenstatistik 2010: Oktober bis Dezember | 24,84 % |
In der U17-Bundesliga spielten 2022/23 die Jahrgänge 2006 und 2007 zusammen. Die Autoren zählten 461 Spieler aus dem ersten Quartal 2006, aber nur 13 aus dem vierten Quartal 2007. Ein großer Teil dieses Abstands hat mit dem Geburtsmonat nichts zu tun: Laut Tabelle 2 spielten vom älteren Jahrgang 2006 1.068 Jugendliche in der Liga, vom jüngeren Jahrgang 2007 nur 100. Innerhalb eines Jahrgangs ist der Unterschied kleiner, aber deutlich: Im Jahrgang 2006 kamen 43,16 Prozent aus dem ersten und 8,90 Prozent aus dem vierten Quartal, im Jahrgang 2007 waren es 52 und 13 Prozent.
Wo der Effekt stärker ist und wo er nachlässt
In der 3. Liga fiel der Effekt kleiner aus: Dort waren 57,44 Prozent der Spieler in der ersten Jahreshälfte geboren, näher an der Geburtenstatistik als bei den Junioren. Bei den Drittligaspielern, die vor 1998 geboren sind, war die Abweichung nicht mehr signifikant.
rund 71 %
der Spieler in der U17-Bundesliga
69,56 %
der Spieler in der U19-Bundesliga
57,44 %
der Spieler in der 3. Liga
Nach Spielposition fanden die Autoren größere Effekte bei Torhütern und Verteidigern als im Mittelfeld und im Angriff. Und bei den fünf besten Teams einer Tabelle war der Effekt stets größer als bei den fünf letzten. Warum er bei älteren Profis schwächer wird, können sie mit ihren Daten nicht klären. Sie verweisen auf die sogenannte Underdog-Hypothese, nach der spät Geborene früh Nachteile überwinden mussten, und kennzeichnen das ausdrücklich als Spekulation.
Warum früh Geborene häufiger ausgewählt werden
Daten zu den Ursachen hat die Studie von 2024 nicht erhoben; das schreiben die Autoren selbst. Votteler nennt aus der Forschung zwei Erklärungen: „Zwei Erklärungen für eine höhere Leistungsfähigkeit relativ Älterer sind eine durchschnittlich höhere (physische und psychische) Reife („maturation-selection“-Hypothese) sowie eine umfassendere Unterstützung ihrer Leistungsentwicklung durch die Trainer“, etwa durch mehr Spielanteile und intensiveres Feedback.
Seine Auswertung von 35.390 Spielern des DFB-Talentförderprogramms (Spielzeiten 2010/11 bis 2012/13) zeigt, wo der Effekt wächst: bei der erstmaligen Auswahl neuer Spieler für eine höhere Stufe. Spieler, die auf derselben Stufe in die nächste Altersklasse übernommen wurden, veränderten das Verhältnis dagegen nicht. Wie sich die Anteile von Stufe zu Stufe verschieben, zeigt die Grafik im Ratgeber Hat unser Kind Talent für Fußball? Was sich früh sagen lässt.
Biologische Reife: der zweite Faktor
Geburtsmonat und körperliche Entwicklung sind nicht dasselbe. Heilmann und Kollegen benennen das als Grenze ihrer Zahlen: „the date of birth alone cannot reliably determine how mature a player is compared to other players his age“ (auf Deutsch: „allein aus dem Geburtsdatum lässt sich nicht verlässlich bestimmen, wie reif ein Spieler im Vergleich zu anderen Spielern seines Alters ist“). Die Reife konnten sie nicht berücksichtigen.
Votteler zählt sie zu den Bedingungen des Effekts: „Als weitere individuelle Bedingung für die Entstehung eines RAE gilt die biologische Früh- und Spätreife (Unterschied zwischen chronologischem und biologischem Alter).“ Sie kann auch umgekehrt wirken: „Eine biologische Frühreife kann auch den zeitlichen Entwicklungsrückstand eines relativ Jüngeren kompensieren.“ Und: „Die höhere körperliche Reife relativ älterer Spieler gilt als Ursache für deren häufigere Selektion als Talent.“ Der Literaturüberblick der Studie von 2024 nennt Forschung, nach der die Reife die Leistung stärker beeinflusst als das relative Alter, und Forschung, die beides als voneinander unabhängige Größen beschreibt; gegen beide Verzerrungen brauche es deshalb eigene Strategien. Das ist eine Zusammenfassung anderer Arbeiten, keine eigene Messung.
Die Reife einfach und zuverlässig zu schätzen, ist schwierig. Laut Votteler wurde „eine Pilotstudie mit N=404 DFB-Stützpunktspielern der Altersklassen U11 bis U14 durchgeführt“, mit einem Schätzverfahren aus Körpergröße, Körpergewicht und Sitzhöhe. Das Ergebnis: „Zudem konnten mit der vorgeschlagenen Kategorisierung der Messergebnisse nur 3,2% der Spieler reliabel als früh- oder spätreif klassifiziert werden.“ Ob und wie Leistungszentren den Reifestand heute erheben, haben wir nicht geprüft.
Eine Beobachtung betrifft gerade die spät Geborenen, die es in die Förderung geschafft haben. Vottelers Studie mit 10.130 Stützpunktspielern der U12 bis U15 zeigt, „dass ausgewählte relativ jüngere Nachwuchstalente nicht körperlich akzeleriert sind, für ihr Alter aber motorisch besonders begabt sein müssen, um als Talente ausgewählt zu werden“.
Was dagegen versucht wurde
Votteler beschreibt 2017 eine Maßnahme an den DFB-Stützpunkten: „Die Entscheidung fiel auf die Einführung einer Quotenregelung mit der Vorgabe einer Gleichverteilung der Geburtenhäufigkeit über die Geburtshalbjahre.“ Die Quote gilt „als Orientierungsgrundlage für den sichtenden Trainer, von der er im Einzelfall abweichen kann“. Auch die Vereine sind einbezogen: Es „werden Vereinstrainer in der Regel angewiesen, die gleiche Anzahl an Spielern aus dem ersten und zweiten Geburtshalbjahr zur Sichtung mitzubringen.“ Das ist der Stand von 2017; ob es heute so gilt, haben wir nicht geprüft. Was ein Stützpunkt ist, steht in DFB-Stützpunkt: Sichtung, Alter und Unterschied zum NLZ.
Für die Leistungszentren schätzte Votteler solche Vorgaben wegen des Erfolgsdrucks der Trainer als schwerer umsetzbar ein. Und er hielt fest: „Zumindest wurden bisher keine Änderungen des RAE-Ausmaßes im Fußball nachgewiesen (Helsen et al., 2012) und mangelt es an Studien zu erfolgreichen Interventionsmaßnahmen.“
Heilmann und Kollegen schrieben im Juli 2024, dass zur Saison 2024/25 die DFB-Nachwuchsliga die bisherigen Junioren-Bundesligen ablösen sollte, und vermuteten, dass sie die Verzerrung verringern könnte, unter anderem weil dort sieben Spieler pro Spiel ausgewechselt werden können. Belegt ist das in den hier geprüften Quellen nicht; die Daten der Studie stammen aus der Zeit vor der Reform. Trainern und Talentverantwortlichen raten die Autoren, neben dem relativen Alter auch die Reife der Spieler zu berücksichtigen.
Was das für euer Kind heißt
Zuerst die Grenze. Votteler schreibt: „Vorhersagen zur Wirkung von Entwicklungsbedingungen auf die RAE-Entstehung für den Einzelfall sind, ähnlich wie bei der Vorhersage zukünftigen sportlichen Erfolgs über die Ergebnisse motorischer Tests (Höner & Votteler, 2016), immer probabilistischer Natur.“ Ob eine einzelne Absage am Geburtsmonat lag, sagt keine der hier zitierten Studien.
Was die Studien beschreiben
- Mehr früh im Jahr Geborene in Junioren-Bundesligen und Auswahlstufen
- Der Effekt wächst bei der Auswahl für eine höhere Stufe
- In der 3. Liga ist er kleiner, bei den älteren Spielern nicht mehr signifikant
Was sie über euer Kind nicht sagen
- Wie gut euer Kind Fußball spielt
- Ob eine einzelne Absage am Geburtsmonat lag
- Wie sich euer Kind körperlich weiterentwickelt
Spät im Jahr geboren heißt nicht ausgeschlossen. Votteler schrieb 2017, dass „ungefähr 2.000 Nachwuchsspieler des vierten Geburtsquartals in der Altersklasse U12 bis U15 an den DFB-Stützpunkten trainiert“ wurden und dass nach Daten der Spielzeiten 2010/11 bis 2012/13 „pro Jahr in jeder Altersklasse und auf jedem Selektionsniveau etwa 20% der Spieler neu gesichtet“ wurden. Talente, die erst verhältnismäßig spät überdurchschnittliche Leistungen zeigen, haben nach seiner Einschätzung „noch in höheren Altersklassen die Möglichkeit gesichtet zu werden“. Für relativ Jüngere, die es trotz ihres Altersnachteils in die Auswahl schaffen, leitet er aus seinen Daten die Vermutung ab, dass sie „besonders gute Chancen für ihre langfristige Karriereentwicklung“ haben. Gestützt sieht er sie durch Studien anderer Forschender, etwa zu höheren Übergangsquoten relativ Jüngerer vom Jugend- in den Erwachsenenbereich. Seine Erklärung dafür, dass sie im Wettbewerb mit körperlich weiter entwickelten Mitspielern besondere technische und taktische Fähigkeiten entwickeln, hält er dagegen für noch nicht empirisch geprüft. Das gilt für die Gruppe der Ausgewählten, nicht als Vorhersage für ein einzelnes Kind.
Es gibt auch die andere Seite. Votteler gibt aus der Forschung wieder: „Während relativ Ältere häufiger bei Talentselektionsmaßnahmen ausgewählt werden, scheiden relativ Jüngere aufgrund einer negativeren Selbsteinschätzung häufiger freiwillig aus einer Sportart aus“. Heilmann und Kollegen beschreiben ein ähnliches Risiko: Körperlich weniger entwickelte Spieler könnten wegen des ständigen Nachteils aufgeben. Wie euer Kind sich selbst einschätzt, verdient deshalb Aufmerksamkeit, gerade neben älteren Mitspielern.
Was ihr jetzt tun könnt
Diese Fragen helfen, ohne ein Urteil über euer Kind zu fällen:
- In welchem Quartal ist euer Kind geboren? Ein Kind vom Jahresende misst sich im Jahrgang mit Kindern, die bis zu fast ein Jahr älter sind.
- Vergleicht es sich mit Mitspielern, sprecht darüber, dass Größe und Kraft in diesem Alter auch vom Geburtsmonat und vom Zeitpunkt der körperlichen Entwicklung abhängen können.
- Fragt nach einer Sichtung, woran euer Kind arbeiten kann, nicht nur nach dem Ergebnis.
- Fragt beim Stützpunkt oder Verein, ob und wie das relative Alter bei der Auswahl berücksichtigt wird.
- Eine Absage in jungen Jahren muss keine endgültige Antwort sein: In Vottelers Daten aus den Spielzeiten 2010/11 bis 2012/13 wurden in jeder Altersklasse und auf jeder Stufe jedes Jahr etwa 20 Prozent der Spieler neu gesichtet.
Und eine Bitte: Erklärt eurem Kind den Geburtsmonat nicht als Ausrede und nicht als Makel. Er ist ein Umstand, den es kennen darf.
Weiterlesen
- Ob sich Talent früh erkennen lässt: Hat unser Kind Talent für Fußball? Was sich früh sagen lässt
- Wie ihr euch auf ein Probetraining vorbereitet: NLZ-Probetraining: Was Eltern vorbereiten können
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- Warum der Jahrgang zählt und nicht der Geburtstag: NLZ-Voraussetzungen: Alter, Jahrgang und Wohnort
- Der relative Alterseffekt im Frauenfußball: NLZ für Mädchen: welche Wege es im Fußball gibt
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- Die Zahlen zur Chance auf eine Profikarriere: Chancen realistisch einordnen
Dieser Text ist eine allgemeine Einordnung von Studienergebnissen. Er ist keine Leistungsprognose für euer Kind und keine medizinische Beratung zur körperlichen Entwicklung. Fragt für eine Einschätzung die Menschen, die euer Kind regelmäßig spielen sehen.
Quellen
Quelle 1Stichtag 1. Januar für die deutschen Nachwuchsligen (Heilmann u. a. 2024)
Zitat anzeigen(Original, EN)
„The cut-off date for the German youth soccer leagues is the 1st of January.“
Auf Deutsch: „Der Stichtag für die deutschen Nachwuchsligen ist der 1. Januar.“
Quelle 2Altersunterschied innerhalb eines Jahrgangs von bis zu 364 Tagen
Zitat anzeigen
„Für die resultierenden chronologischen Altersunterschiede innerhalb einer Jahreskohorte von bis zu 364 Tagen (Geburtstag 1. Januar gegenüber Geburtstag 31. Dezember) wurde der Begriff „relatives Alter“ geprägt“
Quelle 3Wie ein relativer Alterseffekt entsteht (Votteler 2017)
Zitat anzeigen
„Ein RAE entsteht, wenn relativ Ältere aufgrund ihres chronologischen Altersvorteils häufiger als talentiert eingeschätzt und folglich bei Talentselektionsmaßnahmen bevorzugt für eine intensivere Förderung auf höhere Selektionsniveaus (lokale, regionale und nationale Auswahlkader) ausgewählt werden.“
Quelle 4Seit Jahrzehnten unveränderte Verbreitung des Effekts (Stand 2017)
Zitat anzeigen
„Hervorgehoben wird die Notwendigkeit einer umfassenden Ursachenforschung durch die seit Jahrzehnten unveränderte Verbreitung des RAE in der Praxis, trotz der Kenntnis seiner negativen Folgen für die Talentförderung.“
Quelle 5Datengrundlage der Studie 2024: Saison 2022/23, 120 Teams, 3.174 Spieler
Zitat anzeigen(Original, EN)
„Data from the 2022–2023 season (120 teams, 3,174 players) were analyzed using chi-square tests.“
Auf Deutsch: „Daten aus der Saison 2022–2023 (120 Teams, 3.174 Spieler) wurden mit Chi-Quadrat-Tests ausgewertet.“
Quelle 6Herkunft der Geburtsdaten (transfermarkt.de)
Zitat anzeigen(Original, EN)
„One hundred twenty teams and a total of 3,174 players were included (extracted from valid database transfermarkt.de).“
Auf Deutsch: „Einbezogen wurden 120 Teams mit insgesamt 3.174 Spielern (entnommen aus der Datenbank transfermarkt.de).“
Quelle 7Vergleich mit der Geburtenstatistik 2010 und warum
Zitat anzeigen(Original, EN)
„Birth quartiles were compared with the general population data from 2010 because there were no detailed birth distribution datasets from other years.“
Auf Deutsch: „Die Geburtsquartale wurden mit den Bevölkerungsdaten von 2010 verglichen, weil für andere Jahre keine detaillierten Datensätze zur Geburtenverteilung vorlagen.“
Quelle 8Einteilung des Jahres in vier Geburtsquartale
Zitat anzeigen(Original, EN)
„January, February, and March were classified as “BQ1”, April, May and June were classified as “BQ2”, July, August and September were classified as “BQ3”, and October, November, and December as “BQ4”.“
Auf Deutsch: „Januar, Februar und März wurden als „BQ1“ eingeordnet, April, Mai und Juni als „BQ2“, Juli, August und September als „BQ3“ und Oktober, November und Dezember als „BQ4“.“
Quelle 9U17-Bundesliga: rund 71 Prozent in der ersten Jahreshälfte geboren
Zitat anzeigen(Original, EN)
„Around 71% of all U17 Bundesliga players were born in the first half of the year (BQ1 and BQ2).“
Auf Deutsch: „Rund 71 % aller Spieler der U17-Bundesliga wurden in der ersten Jahreshälfte geboren (BQ1 und BQ2).“
Quelle 10U19-Bundesliga: 69,56 Prozent in der ersten Jahreshälfte geboren
Zitat anzeigen(Original, EN)
„69.56% of the players were born in the first half of the year (BQ1 and BQ2).“
Auf Deutsch: „69,56 % der Spieler wurden in der ersten Jahreshälfte geboren (BQ1 und BQ2).“
Quelle 11Quartalsanteile U17 gesamt gegenüber der Geburtenstatistik 2010 (Tabelle 2)
Zitat anzeigen(Original, EN)
„Distribution of birth quartiles (%) in the analyzed age groups in the 2022/2023 season compared to the German birth statistics from 2010 (available, comparable age group).“
Auf Deutsch: „Verteilung der Geburtsquartale (%) in den untersuchten Altersgruppen der Saison 2022/2023 im Vergleich zur deutschen Geburtenstatistik von 2010 (verfügbare, vergleichbare Altersgruppe).“
Quelle 12U17: 461 Spieler aus dem ersten Quartal 2006, 13 aus dem vierten Quartal 2007
Zitat anzeigen(Original, EN)
„While most players were born in Q1 of 2006 (n = 461), Q4 of 2007 had the fewest players in the U17 teams (n = 13; see Figure 3).“
Auf Deutsch: „Während die meisten Spieler im ersten Quartal (Q1) 2006 geboren wurden (n = 461), stellte das vierte Quartal (Q4) 2007 die wenigsten Spieler in den U17-Teams (n = 13; siehe Abbildung 3).“
Quelle 133. Liga: 57,44 Prozent in der ersten Jahreshälfte, näher an der Bevölkerung
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„Overall, 57.44% of all players in the 3rd division were born in the first half of the year (BQ1 and BQ2), which is closer to the reference population compared to the juniors“
Auf Deutsch: „Insgesamt wurden 57,44 % aller Spieler der 3. Liga in der ersten Jahreshälfte geboren (BQ1 und BQ2); das liegt näher an der Vergleichsbevölkerung als bei den Junioren“
Quelle 14Ältere Drittligaspieler (vor 1998 geboren): keine signifikante Abweichung
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„For players born before 1998, the deviation of the birth data from the reference population was insignificant (p = .116).“
Auf Deutsch: „Bei den vor 1998 geborenen Spielern war die Abweichung der Geburtsdaten von der Vergleichsbevölkerung nicht signifikant (p = .116).“
Quelle 15Größere Effekte bei Torhütern und Verteidigern
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„The distribution of birth quartiles, considering the position on the field, shows larger effect sizes for goaltenders and defenders compared with midfielders and offenders“
Auf Deutsch: „Die Verteilung der Geburtsquartale nach Spielposition zeigt größere Effektstärken bei Torhütern und Verteidigern als bei Mittelfeld- und Angriffsspielern“
Quelle 16Größere Effekte bei den Spitzenteams einer Liga
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„The effect size is always larger for teams ranked among the top teams in the leagues.“
Auf Deutsch: „Die Effektstärke ist bei den Teams, die zu den Spitzenteams der Ligen zählen, stets größer.“
Quelle 17Deutung der Autoren als Spekulation (Underdog-Hypothese)
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„It could be speculated that the players reaching older ages in the professional league had to overcome challenges arising from the initial disadvantages of being born late in the year.“
Auf Deutsch: „Man könnte spekulieren, dass die Spieler, die im Profibereich ein höheres Alter erreichen, Herausforderungen überwinden mussten, die aus den anfänglichen Nachteilen einer späten Geburt im Jahr entstanden.“
Quelle 18Die Studie 2024 erhebt keine Daten zu den Ursachen
Zitat anzeigen(Original, EN)
„As already described, no data was collected for this study that would allow measurable conclusions to be drawn about the causes of RAEs based on the models presented by Hancock et al. (16) and Wattie et al. (42).“
Auf Deutsch: „Wie bereits beschrieben, wurden für diese Studie keine Daten erhoben, die messbare Schlüsse auf die Ursachen relativer Alterseffekte auf Grundlage der Modelle von Hancock u. a. (16) und Wattie u. a. (42) erlauben würden.“
Quelle 19Zwei in der Forschung genannte Erklärungen: Reife und mehr Unterstützung durch Trainer
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„Zwei Erklärungen für eine höhere Leistungsfähigkeit relativ Älterer sind eine durchschnittlich höhere (physische und psychische) Reife („maturation-selection“-Hypothese) sowie eine umfassendere Unterstützung ihrer Leistungsentwicklung durch die Trainer“
Quelle 20Relativ Jüngere scheiden laut Forschungsüberblick häufiger freiwillig aus
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„Während relativ Ältere häufiger bei Talentselektionsmaßnahmen ausgewählt werden, scheiden relativ Jüngere aufgrund einer negativeren Selbsteinschätzung häufiger freiwillig aus einer Sportart aus“
Quelle 21Effekt wächst bei der erstmaligen Auswahl für eine höhere Stufe, nicht beim Verbleib
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„eine Zunahme des RAE-Ausmaßes bei der erstmaligen Auswahl neuer Spieler auf höhere Selektionsniveaus und keine RAE-Änderungen für Spieler, die auf demselben Selektionsniveau in die nächsthöhere Altersklasse übernommen wurden.“
Quelle 22Ausgewählte relativ Jüngere sind nicht körperlich weiter, aber motorisch besonders begabt
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„dass ausgewählte relativ jüngere Nachwuchstalente nicht körperlich akzeleriert sind, für ihr Alter aber motorisch besonders begabt sein müssen, um als Talente ausgewählt zu werden“
Quelle 23Geburtsdatum sagt nichts Verlässliches über die Reife; in der Studie nicht erhoben
Zitat anzeigen(Original, EN)
„Secondly, the date of birth alone cannot reliably determine how mature a player is compared to other players his age. However, it was impossible to consider player maturity in the study.“
Auf Deutsch: „Zweitens lässt sich allein aus dem Geburtsdatum nicht verlässlich bestimmen, wie reif ein Spieler im Vergleich zu anderen Spielern seines Alters ist. Die Reife der Spieler konnte in der Studie jedoch nicht berücksichtigt werden.“
Quelle 24Biologische Früh- und Spätreife als weitere Bedingung
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„Als weitere individuelle Bedingung für die Entstehung eines RAE gilt die biologische Früh- und Spätreife (Unterschied zwischen chronologischem und biologischem Alter).“
Quelle 25Frühe biologische Reife kann den Altersnachteil relativ Jüngerer ausgleichen
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„Eine biologische Frühreife kann auch den zeitlichen Entwicklungsrückstand eines relativ Jüngeren kompensieren.“
Quelle 26Pilotstudie zur Reife-Messung mit 404 Stützpunktspielern der U11 bis U14
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„eine Pilotstudie mit N=404 DFB-Stützpunktspielern der Altersklassen U11 bis U14 durchgeführt.“
Quelle 27Höhere körperliche Reife gilt als Ursache der häufigeren Auswahl
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„Die höhere körperliche Reife relativ älterer Spieler gilt als Ursache für deren häufigere Selektion als Talent.“
Quelle 28Forschungsüberblick der Autoren 2024: Reife und relatives Alter
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„Recent research shows that maturation has got a higher impact on performance than RAE (25). Nevertheless, Hill et al. (26) argue that RAE and maturation are independent constructs. Thus, different strategies to prevent RAE and selection bias regarding the maturation of players are needed (20, 27).“
Auf Deutsch: „Neuere Forschung zeigt, dass die Reife einen größeren Einfluss auf die Leistung hat als der relative Alterseffekt (25). Hill u. a. (26) argumentieren dennoch, dass relativer Alterseffekt und Reife voneinander unabhängige Konstrukte sind. Daher werden unterschiedliche Strategien gebraucht, um den relativen Alterseffekt und die Auswahlverzerrung durch die Reife der Spieler zu verhindern (20, 27).“
Quelle 29Reife-Schätzung aus Körpergröße, Körpergewicht und Sitzhöhe
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„Für die Berechnung des maturity-offsets (Zeitabstand vom aktuellen chronologischen Alter zum Alter des größten Wachstumsschubs) müssen lediglich die Körpergröße, das Körpergewicht und die Sitzhöhe eines Probanden erfasst werden.“
Quelle 30Nur 3,2 Prozent verlässlich als früh- oder spätreif eingestuft
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„Zudem konnten mit der vorgeschlagenen Kategorisierung der Messergebnisse nur 3,2% der Spieler reliabel als früh- oder spätreif klassifiziert werden.“
Quelle 31Quotenregel an den DFB-Stützpunkten: gleich viele Spieler aus beiden Geburtshalbjahren (Stand 2017)
Zitat anzeigen
„Die Entscheidung fiel auf die Einführung einer Quotenregelung mit der Vorgabe einer Gleichverteilung der Geburtenhäufigkeit über die Geburtshalbjahre.“
Quelle 32Die Quote als Orientierung, von der im Einzelfall abgewichen werden kann
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„Daher gilt die Quotenregelung nicht als deterministische Vorgabe, sondern als Orientierungsgrundlage für den sichtenden Trainer, von der er im Einzelfall abweichen kann.“
Quelle 33Vereinstrainer sollen gleich viele Spieler aus beiden Halbjahren zur Sichtung bringen (Stand 2017)
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„werden Vereinstrainer in der Regel angewiesen, die gleiche Anzahl an Spielern aus dem ersten und zweiten Geburtshalbjahr zur Sichtung mitzubringen.“
Quelle 34In Leistungszentren schwerer umsetzbar (Einschätzung 2017)
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„Bei den Leistungszentren der Profivereine und den DFB-Jugendnationalmannschaften scheint dies zwar grundsätzlich auch möglich, aufgrund des hohen Erfolgsdrucks der Trainer bei nationalen und internationalen Meisterschaften aber schwerer umsetzbar zu sein.“
Quelle 35Bis 2017 keine nachgewiesene Abnahme des Effekts im Fußball
Zitat anzeigen
„Zumindest wurden bisher keine Änderungen des RAE-Ausmaßes im Fußball nachgewiesen (Helsen et al., 2012) und mangelt es an Studien zu erfolgreichen Interventionsmaßnahmen.“
Quelle 36Neue DFB-Nachwuchsliga ab 2024/25 (Ankündigung, Stand der Studie Juli 2024)
Zitat anzeigen(Original, EN)
„At the start of the 2024/2025 season, the U19 and U17 DFB Junior League will replace this tier system.“
Auf Deutsch: „Zum Start der Saison 2024/2025 wird die DFB-Nachwuchsliga U19 und U17 dieses Stufensystem ablösen.“
Quelle 37Vermutung der Autoren: Die neue Liga könnte die Verzerrung verringern
Zitat anzeigen(Original, EN)
„This change in competition mode could reduce RAE selection bias because the coaches could use their players more independently of their current performance and substitute seven players per game in the new mode.“
Auf Deutsch: „Diese Änderung des Wettbewerbsmodus könnte die Auswahlverzerrung durch den relativen Alterseffekt verringern, weil die Trainer ihre Spieler unabhängiger von der aktuellen Leistung einsetzen und im neuen Modus sieben Spieler pro Spiel auswechseln könnten.“
Quelle 38Empfehlung der Autoren an Trainer und Talentverantwortliche
Zitat anzeigen(Original, EN)
„Coaches and talent managers are advised to consider RAE and additional factors like player maturity in talent selection for more efficient talent management strategies, especially in youth academies.“
Auf Deutsch: „Trainern und Talentverantwortlichen wird geraten, den relativen Alterseffekt und weitere Faktoren wie die Reife der Spieler bei der Talentauswahl zu berücksichtigen, um effizientere Strategien im Talentmanagement zu erreichen, besonders in Nachwuchsakademien.“
Quelle 39Aussagen über den Einzelfall bleiben Wahrscheinlichkeiten
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„Vorhersagen zur Wirkung von Entwicklungsbedingungen auf die RAE-Entstehung für den Einzelfall sind, ähnlich wie bei der Vorhersage zukünftigen sportlichen Erfolgs über die Ergebnisse motorischer Tests (Höner & Votteler, 2016), immer probabilistischer Natur.“
Quelle 40Rund 2.000 Spieler aus dem vierten Quartal an den DFB-Stützpunkten (U12 bis U15)
Zitat anzeigen
„z. B. werden ungefähr 2.000 Nachwuchsspieler des vierten Geburtsquartals in der Altersklasse U12 bis U15 an den DFB-Stützpunkten trainiert“
Quelle 41Etwa 20 Prozent der Spieler je Altersklasse und Stufe werden jährlich neu gesichtet
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„pro Jahr in jeder Altersklasse und auf jedem Selektionsniveau etwa 20% der Spieler neu gesichtet werden“
Quelle 42Später Entwickelte können noch in höheren Altersklassen gesichtet werden
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„haben auch Talente, die aufgrund ihrer Entwicklung erst verhältnismäßig spät überdurchschnittliche Leistungen zeigen, noch in höheren Altersklassen die Möglichkeit gesichtet zu werden.“
Quelle 43Vermutung: ausgewählte relativ Jüngere haben gute langfristige Chancen
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„besonders gute Chancen für ihre langfristige Karriereentwicklung haben“
Quelle 44Empirische Stützen der Vermutung: höhere Übergangsquoten relativ Jüngerer
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„Empirische Unterstützung erhält diese Annahme durch die Feststellung höhere relativer Übergangsquoten relativ Jüngerer vom Jugendbereich in den Erwachsenenbereich“
Quelle 45Erklärung für die besseren Karrierechancen ist noch nicht empirisch geprüft (Stand 2017)
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„Eine empirische Analyse dieser Vermutung steht jedoch noch aus.“
Quelle 46Diskussion der Autoren: Risiko, dass körperlich weniger Entwickelte aufgeben
Zitat anzeigen(Original, EN)
„The problem is that young players who are not as physically developed could give up due to the constant disadvantage, which leads to high dropout rates in adolescence (1, 30).“
Auf Deutsch: „Das Problem ist, dass junge Spieler, die körperlich weniger weit entwickelt sind, wegen des ständigen Nachteils aufgeben könnten, was zu hohen Ausstiegsquoten im Jugendalter führt (1, 30).“
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